#Selfcare

#Was heißt eigentlich “self-care”?

Und warum ist das so wichtig?

 

“Ich stelle aber das Wohl anderer immer in den Vordergrund.”

“Ich bekomme oft gesagt, dass ich mich mehr um mich selbst kümmern sollte.”

“Aber nein sagen fühlt sich so schlimm an.”

“Ich habe Angst, dass die anderen denken, ich wäre egoistisch.”

“Der Altruismus liegt in der Natur des Menschen.”

So oder so ähnliche Sätze hast du sicherlich schon mal gehört. Entweder von jemandem aus deiner Familie, vielleicht von einem deiner Freunde – oder möglicherweise sogar schon mal von dir selbst. Und im Grunde sind es sehr schöne Sätze, denn sie zeigen, dass das Miteinander noch immer eine große Rolle in den sozialen Interaktionen bedeutet. Es geht immer darum, dass es einem selbst wichtig ist, was andere Menschen von einem denken. Es gibt wenig, was den Menschen so wichtig ist wie ihre Wirkung auf andere. Das meine ich aber im positiven Sinne. Denn wenn es dir völlig egal wäre, was alle anderen von dir denken, dann bist du womöglich kein guter Teamplayer, vielleicht mangelt es dir ein wenig an Empathie.
Natürlich musst du dich vor niemandem verstellen oder immer nur nach der Nase der anderen Menschen tanzen. Vor allen Dingen bist du du selbst. Und du entscheidest, wie du selbst bist (zumindest zum Teil, auf die ganzen Einflüsse, die einen begleiten kann man wohl kaum Einfluss nehmen). Du entscheidest dich für deine Freunde und für dein Umfeld. Du entscheidest dich, dich möglichst oft dort aufzuhalten, wo du zwar sein kannst, wie du bist, aber deine Wirkung auf dein Umfeld eine positive ist. Die wenigsten Menschen werden sich freiwillig in einer Umgebung bewegen, in der sie nur ständig kritisiert werden.

Aber um auch “Du” bleiben zu können, gibt es etwas was unbeschreiblich wichtig für uns ist: Die Selbstfürsorge (oder in cool: self-care).

Aber was bedeutet das Wort self-care eigentlich?

“Der Begriff der Selbstfürsorge beinhaltet den sorgsamen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Ressourcen.”
– Erika Blitz, psychologische Psychotherapeutin

Alles klar? Nein? Gut.
Wenn das so einfach zu verstehen wäre, dann hätten wir heute wohl auch weniger Burnout- und Depressionsfälle.

Ich möchte diese kurze Definition nutzen und sie zerteilen. Dann wird schnell klar, dass es gar nicht so einfach ist, auf sich selbst zu achten, wie es scheint.

Sorgsamer Umgang mit den eigenen Bedürfnissen

Oh yes, Bedürfnisse. Hab ich eigentlich gaaaaaanz wenige, denn ich bin ein super einfacher Mensch und total unkompliziert und ich möchte ja auch niemandem Umstände bereiten. Richtig? FALSCH!
Da ich generell der Meinung bin, dass kein Mensch an sich “unkompliziert” ist, sondern einfach nur die Beziehung zwischen zweier Menschen kompliziert oder eben unkompliziert sein kann, empfinde ich eine solche Aussage als Selbstlüge. Jetzt denkst du vielleicht: Aber ich habe tatsächlich sehr wenige Bedürfnisse, der Blog ist doof! Darfst du auch denken, aber ich glaube, dass viel eher das Problem vorliegt, die eigenen Bedürfnisse nicht als Bedürnfnisse zu deklarieren. Aber glücklicherweise gibt es ja da für jeden eine kleine Hilfe – die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow, einem us-amerikanischen Psychologen, der die menschliche Gesundheit ganzheitlich betrachtet.

Ich möchte jetzt nicht auf die ganze Pyramide eingehen. Aber wie du siehst, sind auch die physiologischen Bedürfnisse, die uns kaum enorm erscheinen (wie Hunger oder Durst) sehr wichtige Bedürfnisse. Und diese Bedürfnisse sollten, wenn man sich selbst gut tun möchte, stets sorgsam behandelt werden. Wenn du also durstig bist, weil du schon seit zwei Stunden nichs mehr getrunken hast, dann musst du nicht erst einen Beitrag fertig schreiben, eine email beantworten, warten bis ein Gespräch vorbei ist – sondern du musst etwas trinken! So wie ich jetzt. Okay, man kann natürlich nicht immer essen oder schlafen, wenn man das Bedürfnis verspürt. Aber du solltest immer darauf achten, dass dein Körper dir recht eindeutige Signale sendet. Wenn du Hunger hast, solltest du was essen sobald es dir möglich ist, denn dein Körper fühlt sich schwach. Das selbe gilt für die Müdigkeit.

Neben diesen fundamentalen Bedürfnissen gibt es noch zahlreiche weitere Bedürfnisse, die vielleicht nicht immer von jetzt auf gleich befriedigt werden können – Das ist auch gar nicht schlimm; schon das Gefühl, etwas zu tun was dir hilft deine Bedürfnisse zu befriedigen – Wenn du das Bedürfnis nach Geborgenheit hast, dann such Kontakt zu Freunden oder Familie. Mach ein Treffen aus. Vielleicht dauert es eine kurze Zeit bis das Treffen stattfindet – Aber es ist definitiv besser als nichts zu tun.

Nimm dir das zu Herzen.

Sorgsamer Umgang mit den eigenen Gefühlen

Die eigenen Gefühle. Ich glaube, das schwierigste am sorgsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen ist der Tatsache geschuldet, dass es schwierig ist, überhaupt herauszufinden, was die eigenen Gefühle sind. Wie oft denke ich über bestimmte Dinge nach und versuche zu definieren, was mein Gefühl mir eben dazu sagt. Das kann mitunter ganz unterschiedlich sein – Es hängt mit der allgemeinen Stimmung zusammen, mit den Erfahrungen, die bis dahin den Alltag bestimmen, möglicherweise mit Situationen, die einen kurzfristig umdenken lassen.

Im Grunde habe ich aber Glück, denn mein Bauchgefühl hat mich bislang nur seltenst im Stich gelassen. Ich glaube, dass es darauf ankommt, mit den eigenen Entscheidungen leben zu können und sich zu sagen: “Hey. Das ist jetzt mein Gefühl. Ich höre jetzt darauf und mach das so! Und wenn am Ende was schlechtes dabei rauskommt, dann mach ich da das beste draus!”
Für mich, als optimistischen Menschen, ist dieser Gedankengang nicht ungewöhnlich. Ich kann aber durchaus verstehen, dass pessimistische Menschen diesem nicht so einfach folgen können.

Deswegen finde ich, dass es besonders schwer ist über einen sorgsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen zu schreiben. Denn jeder Mensch ist ja unterschiedlich. Was ich fühle muss meine Schwester, die ähnlich sozialisiert wurde wie ich, nicht automatisch teilen. Oft ist es auch so, dass wir andere durch das Handeln nach unseren Gefühlen verletzen können. Vielleicht empfiehlt es sich, hier und da mal Einschränkungen zu machen. Mein Gefühl zumindest sagt mir, dass wir auch mal aushalten müssen. Mal. Nicht immer. Und vielleicht auch nicht besonders oft.

Ich habe vielleicht ein passendes Beispiel um zu erklären, was ich meine:

Ich bin schon seit vielen, vielen Jahren Mitglied in einem Verein sowie einer großen Internet-Community. Weil ich sehr gerne auch etwas zurückgebe, habe ich eine Zeit lang sehr aktiv im Helpdesk dieser Plattform gearbeitet – ehrenamtlich versteht sich. Unzählige Stunden sind für diese Arbeit drauf gegangen. Ich habe vielen Usern helfen können, manchen leider nicht. Irgendwann ist durch gewisse Situationen alles schief gelaufen. Dinge kamen ans Licht mit denen ich überhaupt nichts zu tun hatte. Aber im Team ist man ein Team – Und so wird man auch behandelt. Und das ist sehr gut, denn es gibt den einzelnen Personen Schutz. In diesem Fall mir leider nicht. Denn es hat sich ein Hass und Frust entladen, der, egal wie sehr man sich bemühte, immer die Frontleute traf – und zu denen habe ich gehört. Gehöre ich immer noch, aber ich habe meine Arbeit sehr stark eingeschränkt. Irgendwann hab ich das Handtuch geworfen und vor mir selbst zugegeben, dass mir die Arbeit unter diesen Bedingungen keinen Spaß mehr macht. Und das hat mich gleichzeitig sehr traurig gemacht. Zwei Gefühle also, als ich veröffentlicht habe, dass ich meine Arbeit bis auf ein Minimum einschränke: Erleichterung und Traurigkeit. Irgendwie das Gefühl, versagt zu haben. Weil ich sehr unschlüssig war, habe ich einfach folgende Lösung gefunden: Ich wollte ausprobieren. Es wäre ja kein Problem, das Arbeitspensum wieder zu erhöhen.

Der Test also: Ich verringere erst mal und sehe was dann geschieht.
Und siehe da – Es geht mir viel besser. Wenn ich Lust und Zeit habe, dann helfe ich noch. Ich bin auch noch recht aktiv im Vereinsgeschehen; das hat die ganze Sache nicht beeinflusst. Mein Versuch war erfolgreich! Ein gutes Gefühl.

Und deswegen denke ich, dass es möglicherweise beim sorgsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen auch darauf ankommt, etwas einfach auszuprobieren. Ehrlich zu sich zu sein (es zumindest versuchen) und machen. Die Erfahrungswerte, die daraus generiert werden – Die sind unermesslich wichtig für unsere weitere Entwicklung.

Sorgsamer Umgang mit den eigenen Ressourcen

Ein Satz, den man von mir recht oft hört ist “Das schaffe ich so nicht.” oder “dafür habe ich keine Ressourcen frei.”
Ich arbeite in einem sozialen Berufsfeld mit einer ähnlich hohen Burnout-Rate wie Lehrer sie haben (vielleicht etwas höher). Die Selbstfürsorge wird bei mir groß geschrieben. Denn ich mag meinen Job gern, ich mag mein Leben noch lieber und alles zusammen im Einklang zu haben finde ich perfekt. Und deswegen passe ich auf mich auf. Es gibt zwei Menschen in meinem Leben, die mir sehr viel bedeuten und an Depression erkrankt sind. Es gibt eine Person, die sehr viel Aufmerksamkeit braucht, eine andere, die mich unterstützt, weil sie mir sehr ähnlich ist und wir uns über ähnliche Erfahrungen austauschen können, zwei meiner engsten Freunde sind einfach pups-normal. Familiär in schwierigen Situationen aufgewachsen, aber generell eine sehr glückliche Kindheit – Ich bin was meine Resilienz (das ist die psychische Widerstandskraft) sehr gefestigt. Ich kann “nein” sagen. Aber nur weil ich es gelernt hab. Und das war eine der wichtigsten Dinge, die ich in meinem Leben lernen musste. Und dafür habe ich mir sehr angestrengt.

Jeder Mensch verfügt über verschiedene Ressourcen, auf die er zurückgreifen kann. Jeder hat ein anderes Energielevel, ein Maß an Erträglichkeiten, die er aushalten kann, einen unterschiedlich strapazierbaren Geduldsfaden. Und wenn diese Ressourcen verbraucht sind, dann werden wir müde, gereizt, unser Körper sendet Signale, die Ressourcen aufzuladen. Und Himmel, wir sollten auf unseren Körper hören. Am besten reizen wir unsere Ressourcen auch gar nicht erst aus, sondern gehen sorgsam mit ihnen um. Und dazu gehört, zu lernen, “nein” zu sagen. Aber auch “ja, das will ich!”, denn auch das ist wichtig um entscheiden zu können, was mit den Ressourcen passieren soll, die man hat.

Ganz nach dem Motto “Wer a sagt, muss auch b sagen”, was ich unfassbar dämlich finde, denn manchmal ist man sich einer Konsequenz gar nicht bewusst und man darf ruhig zurückrudern, macht es Sinn sich selbst bewusst zu machen, was man im Leben möchte und was nicht.

Also trau dich ruhig mal zu verneinen. Vor dir. Vor anderen. Es ist super schwer, gerade am Anfang, aber es wird sich lohnen. Und es wird leichter. Und gibt dir Kraft.

Und die Moral von der Geschicht’?

Ich habe jetzt ein paar Gedanken zu diesem Thema geäußert, die mich immer wieder beschäftigen. Dabei ist mir selbst bewusst geworden, wie wichtig ich es finde, dass meine Mitmenschen an sich selbst denken. Und dass auch ich diese Linie weiter verfolge. Unser Leben ist so furchtbar schnell geworden, ständig sind wir erreichbar. Wir vergleichen uns so oft wie nie mit anderen – Die sozialen Netzwerke bestimmen den Alltag von so vielen Menschen, Influencer leben uns vor, wie man das Leben am besten leben sollte. Welche Markenprodukte sind wichtig, welcher Lifestyle ist angesagt, was ist das neueste Schönheitsideal. Und während viele, viele Menschen diesen Idealen hinterherlaufen, vergessen sie so häufig einfach mal in sich selbst hinein zu horchen und inne zu halten.

Und vielleicht helfen folgende Fragen. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir diese Fragen regelmäßig stellst. Für dich allein:

  1. Was möchte ich in meinem Leben erreichen?
  2. Befinde ich mich auf dem richtigen Weg? Wenn nein, warum nicht? Sollte ich den Weg ändern? Oder mein Ziel?
  3. Wann habe ich mich das letzte mal so richtig wohl gefühlt? Und was hab ich dafür getan?
  4. Auf was habe ich jetzt gerade Lust?
  5. Wem bin ich etwas schuldig? Und warum?
  6. Bin ich dazu verpflichtet, anderen zu gefallen?
  7. Und wann habe ich eigentlich das letzte mal etwas getan, was nur für mich war?

Und mit diesen Fragen möchte ich mich verabschieden.

Und wie Gimli schon richtig anmerkte: “Immer weiteratmen. Das ist der Trick.”

Koblenz

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