#Social

#Twittergewitter – Klappe die Erste

 

#219a

Ihr kennt das sicher auch.
Ihr scrollt so halb gelangweilt durch Twitter, plötzlich bleibt eure Aufmerksamkeit aus völlig unterschiedlichen Gründen an einem Thread hängen. Oder einem einzelnen Tweet; meistens kennt ihr den Thread gar nicht. Irgendjemand schreibt etwas, unterstreicht es mit einem Hashtag.

 

Als Hashtag bezeichnet man die Verschlagwortung (englisch “tag”) von Inhalten auf Social Media-Plattformen wie Twitter, Instagram, Pinterest, YouTube oder Facebook. Mit Setzen der Raute (englisch “hash”) vor dem Schlagwort erfolgt eine Verlinkung mit weiteren Inhalten zum gleichen Hashtag.

 

Und ihr denkt: “Wow, das ist ein interessantes Thema!” oder “Hey, da würde ich auch gerne meine Erfahrung teilen!”
Ihr klickt auf den Tweet. Und das Desaster beginnt. Ein Thread wird geöffnet. Ihr werdet Zeuge von aberwitzigen, von verachtenden, von diskriminierenden, von undurchdachten, von unbeschreiblichen Antworten. Manche könnt ihr vielleicht gar nicht entziffern weil sie so falsch geschrieben sind, dass es einem fast weh tut.

Kennt ihr nicht? Seid froh!
Ich kenne es jedenfalls und heute saß ich so auf der Arbeit und bin mit den Gedanken abgeschweift. Und mir kam die Idee,  mich mit solchen Tweets, die mich schockieren oder anders beschäftigen, und die ich auf Twitter aus verschiedenen Gründen nicht kommentieren möchte, hier im Blog auseinander zu setzen.

Manchmal Entertainment, manchmal kritisch – Wir werden sehen.

Alle Tweets, die ich auswähle, sind öffentlich einsehbare Tweets. Ich werde niemand Tweets von Menschen verlinken, deren Account geschützt ist.

 

Bezeichnend. Der erste Tweet ist gleich geschrieben von einer Politikerin. Annegret Kramp-Karrenbauer ist seit 2018 Generalsekretärin der CDU. Und wie das bei der CDU immer so ist, verstehen sie nicht den Zusammenhang der Modernisierung mit einer Weiterentwicklung der Gesellschaft. Die CDU als konservative Partei strebt danach, dass alles so bleibt wie es ist. Ich weiß noch, dass meine Mutter damals bei meiner ersten Wahl zu mir sagte: “Die CDU ist eine Partei, die nur Leute wählen, die viel Geld haben. Oder Gläubige.”
Ja. Warum sollten Menschen, die viel Geld haben sich auch eine Veränderung wünschen? Nur bin ich mittlerweile erwachsen und weiß, dass es so einfach dann doch nicht ist. Die CDU ist eine Partei, die  leider von vielen Menschen gewählt wird – Warum weiß eigentlich auch keiner. Vielleicht wegen der “Mutti”. Und obwohl ich diese Bezeichnung für Kanzlerin Merkel absolut unangebracht finde, nutze ich ihn in diesem Kontext bewusst. Denn eine Mutter gibt Kraft, sie kümmert sich um einen, sie ist immer da, sie beschützt und sie behütet. Der Begriff “Mutti” kommt ja nicht von ungefähr. In dem Deutschland, das ich kenne war der Begriff niemals negativ behaftet. Jeder wünscht sich eine Mutter, die sich um einen kümmert. Und mit der Assoziation, Merkel sei eine Mutti, da sind sicherlich schon viele Stimmen gewonnen. Denn das alles geschieht natürlich unbewusst in unseren Köpfen; die Glücksgefühle bei dem Wort “Mutter”, das wohlige Gefühl – an all das denkt man ja nicht bewusst. Aber man fühlt es. Ohne es zu wissen.

Okay, weg von der CDU, zurück zu dem, was mich an diesem Tweet erschüttert:

Kramp-Karrenbauer bezeichnet die feministischen Forderungen, den §219a zu streichen doch tatsächlich als “Mode”. Sie bezeichnet die Unterstützung von Parteien (hier ist mal egal, wer dafür oder dagegen) als billiges Folgen einer Modeerscheinung. Nur um das kurz wieder ins Gedächtnis zu rufen. Das hier ist die Definition von “Mode” aus dem Duden:

 

etwas, was dem gerade herrschenden, bevorzugten Geschmack, dem Zeitgeschmack entspricht; etwas, was einem zeitbedingten verbreiteten Interesse, Gefallen, Verhalten entspricht

 

Gerade herrschend = metoo. Nervig, dass die Frauen jetzt ihre Klappe aufmachen, stressig. Da muss man ja als Politiker_in ständig drauf reagieren und mit den Bürger_innen arbeiten. Igitt.

zeitbedingt = etwas auf Zeit. Die Selbstbestimmung der Frau, um die es ganz grundsätzlich bei der Forderung, den §219a zu streichen geht, wird einfach als zeitbedingte Interesse abgestempelt, die gerade populär ist. Dabei ist es so viel mehr. Frauen kämpfen schon seit vielen, vielen Jahren um Gleichberechtigung – als etwas gesehen zu werden, das mehr ist als ein weiblicher Körper. Und mit dieser Aussage macht Kramp-Karrenbauer diese Kämpfe lächerlich, sie wertet sie ab.

Desweiteren ist der Tweet ziemlich unsinnig. Sie möchte gleichzeitig die Pflicht zur umfassenden Beratung beibehalten, aber das sogenannte Werbeverbot beibehalten. Nennen wir doch das Werbeverbot zum einfacheren Verständnis “Informationsverbot”.
Wir leben im Zeitalter des Internets. Ich selbst google jeden Arzt zu dem ich gehe. Finde ich keine Webseite, gehe ich nicht zu ihm – Das ist einfach so. Ich suche genau nach dem, was ich gerne möchte – Es ist ja eigentlich so, als würde man sich vorher informieren wo man einen guten Bohrer kaufen kann anstatt erst mal in die Billigläden zu laufen. Es geht darum, möglicherweise eine diskrete Möglichkeit angeboten zu bekommen, sich zu informieren – vorab. Bevor man den Arzt besucht und sich dort die Informationen in einem privaten Gespräch holt. Bevor man sich überwindet, eine Beratungsstelle aufzusuchen und sich völlig Fremden zu öffnen.

Ich finde, der Tweet zeugt von Rückständigkeit und Frechheit.

 

Ja. Wieso? Gute Frage, ich weiß nicht. Vielleicht weil sie trotzdem denkende Wesen sind, die das Recht haben ihre Meinung zu vertreten? Die das Recht haben, dort zu unterstützen, wo sie es notwendig finden? Ist nur eine Vermutung, aber ich glaube, dass ich damit nicht wirklich so falsch liegen kann. Denn ich gehöre ja auch dazu: Ich bin eine Frau ohne Kinder. Und ich vertrete eine sehr klare Position. Es ist doch so, dass die Selbstbestimmung der Frau nicht gepaart ist an Kinder oder Elternschaft. Ja, es geht ja sogar genau darum! Die Selbstbestimmung der Frau fängt nicht damit an, ob sie entscheiden kann, ob sie ein Kind möchte oder nicht. Sie endet aber auch nicht mit dieser Entscheidung – Nein, das Thema gehört einfach ganz komplett dazu!
Und als eine Frau, der Selbstbestimmung wichtig ist, wage ich es meine Klappe aufzureißen und kräftig dort mitzudiskutieren, wo es nötig ist.

 

Ich bin keine Ärztin und keine Biologin, aber eines weiß ich: Das ein Schwangerschaftsabbruch kein Mord ist. Denn ein solcher wird vorgenommen, wenn die Zellen im Bauch noch gar nicht weit genug entwickelt sind um als Leben zu gelten. Ich hätte euch sehr gerne einen Artikel dazu verlinkt – Leider bin ich beim googlen aber auf so viele Seiten gestoßen, die genau das Gegenteil propagieren, dass ich die Suche abgebrochen hab. Stimmungsmache vs wissenschaftlicher Artikel in der heutigen Zeit? Kaum eine Möglichkeit zu gewinnen.

Vielleicht habt ihr ja einen guten Artikel auf Lager? Verlinkt ihn doch in den Kommentaren! Ich würde mich freuen! 🙂

Weiter geht es mit dem gewollt-philosophischen Satz “Wir sollten hierzulande drüber reden, wie diese ungewollten Kinder vielleicht doch leben können (…)”. WIESO verstehen die Menschen ihre eigenen Widersprüche nicht? Das Kind ist -ungewollt-! Wieso sollten wir also darüber reden, wie wir eine Frau zwingen können, das ungewollte Kind zu entwickeln und auszutragen? Denn genau das bedeutet dieser Satz, wenn man ihn im Klartext formuliert.

Wir können gerne darüber reden, was alles möglich sein könnte in der Heimerziehung, für Kinder die da sind, um die sich aber keiner kümmern möchte/kann. Heimproblematiken gibt es durchaus zu genüge. Die meisten hängen damit zusammen, dass es in Deutschland nur auf dem Papier eine Chancengleichheit gibt. DARÜBER können wir wirklich gerne mal diskutieren.

 

Nein, das Ziel der Kampagne ist es, Informationsfreiheit für Menschen zu gewährleisten, die darüber nachdenken ihre Schwangerschaft abzubrechen. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Das ist interessant. Vielleicht verirrt sich mal ein Arzt auf meinen Blog, der Ahnung davon hat, wie viel Geld man an einem Schwangerschaftsabbruch tatsächlich verdient; vielleicht im Vergleich zu anderen 30-minütigen Eingriffen, die ein voriges Beratungsgespräch voraussetzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ärzte mit dem Schwangerschaftsabbruch reich werden. Denn sonst wäre die Werbung für Informationsfreiheit schon lange erkämpft worden. Oh. Schade eigentlich.

 

Wieder die CDU. Wieder ein Widerspruch. Diesmal mach ich es kurz:

Der §219a verbietet es, darüber zu informieren, dass eine Arztpraxis Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Ergo wird kein Augenmerk auf Schwangerschaftsabbrüche gelegt. Das bedeutet, dass die wenigsten Frauen zu einem Facharzt, der ausgebildet ist, und vermutlich so gut wie jede Frage beantworten könnte, der prädestiniert wäre für eine Beratung, gehen. Schlicht, weil sie nicht wissen, dass genau der Arzt ihres Vertrauens genau dieses Thema bearbeitet.

Und doch! Genau so ein Facharzt ist der richtige Ansprechpartner für eine Beratung!
Vielleicht ist es Winkelmeier-Becker ja entgangen, aber jede ärztliche Tätigkeit wird entlohnt. Laut ihrer Argumentation dürfte sich niemand mehr vor einem Eingriff von dem behandelnden Arzt informieren lassen!

Himmel Herr Gott!

Koblenz

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